Von der Erschaffung des Klapotetz

Von der Erschaffung des Klapotetz

Eine Sage aus dem Buch „Kernöl, Woaz und Steirerwein“ von Peter Stelzl

Ein Weinbauer aus der Südsteiermark war fürs Sterben eigentlich noch viel zu jung. Aber durch Gottes Ratschluss wurde er ins Jenseits abberufen. Weil er aber rechtschaffen, arbeitsam und christlich gewesen ist, ließ ihn der Herr gleich zu sich kommen und fragte, wie es sich so im Weinland leben lasse. Der Weinbauer antwortete, sie alle wüssten sehr wohl, dass Gott Vater sich für die Erschaffung des Weinlandes viel Zeit genommen hätte. „Drum is es durt a wirkli so schen, die Leit san brav und fleißig und mir san auf unsa Weinland a mächtig stulz, oba ….“ – „Was aber?“ unterbrach der Allmächtige den verlegen Stockenden. „Schau, liaba Herrgott, du host uns die schönstn Weingärtn gebn, und mit unsern Fleiß kennen mir den besten Wein mochn. Oba du host net bedenkt: Die Vöglviecha, die Starln, mochn im Weingortn an Schodn, dass unserans völli verzweifln kennt!“

Da wurde der Herr nachdenklich, kraulte sich bedächtig im schlohweißen Haar und sprach zum jungen Weinbauern: „Bei soviel Arbeit wie unsereins hat, kann auch der Herrgott einmal etwas übersehen. Aber weil die Steirer kreuzbrave Leute sind, schicke ich dich für ein paar Jahre wieder zu ihnen hinunter, damit du dort eine wichtige Arbeit verrichtest.

Gehe am Jakobitag hinaus in den Weingarten! Suche dir vorher eine lange, feste Stange, die aus trockenem Fichtenholz sein soll und stell` sie fest in die Erde. Bau einen Körper mit Rahmen aus Eiche oder Rüster und setzte ihn auf die Stange. Aus Lindenholz schneide acht lange Flügel, auf dass diese der Wind leicht bewegen kann! Dann fertige aus Buche starke Klöppel und bringe sie so an, dass diese wie kleine Hämmer auf ein starkes Kirsch- oder Ahornbrett schlagen. Am hinteren Ende binde einen Birkenbesen darauf. Der leistet seine Arbeit, wenn es der Wind gar zu gut meint! Lass die Windmühle bis zum Martinitag im Weingarten stehen!

Sie wird dir nicht nur die Stare vertreiben, sondern auch das Wetter ansagen. Gib ihr den Namen Klapotetz, damit auch die im Drautal ihre Freude daran haben. Zeig allen, wie der Klapotetz gebaut werden soll!

Kurz darauf kam der Steirer wieder in seine Heimat. Er begann gleich mit der Arbeit, und bald war der erste Klapotetz aufgestellt. Schnell kamen die erstaunten Nachbarn herbei, um das neue Ding zu bestaunen und aus dem Munde des Totgeglaubten die wundersame Geschichte zu vernehmen. Als kurz darauf die gefräßigen Stare in den Weingarten einfielen, kam schon von der Koralm ein kräftiger Wind auf, und er Klapotetz begann sich zu drehen. Was gab es da für ein Rattern, Knattern und Klappern, bald langsam, bald schnell, und manch einer von den Weinbauern, so er ein feines Ohr dafür hatte, hörte die immer wiederkehrenden Reime heraus:

 

„Ös Starl, wos wollt´s

Gach obschwirrn sollt´s.

Die Weinbeer san grod

nur für uns do zum Pressen,

und ihr kennt´s akkrat

die Schnecken wegfressen.

Oll´s muass net für die Starln sein.

Die Weinbeer brauch ma sölba für´n Wein!

Der Starenschwarm flog eilends davon. Bald bauten alle Weinbauern den Klapotetz, der seither das Wahrzeichen für das gesamte Weinland ist.

Ulrike Elsneg

u-elsneg

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